Chasing the wind

by Steffi posted 9. November 2012 category Allgemein

Um 5 Uhr klingelte Rakas‘ Wecker. Es war zwar Wochenende, aber sie hatte noch viel Arbeit vor sich bis das Video für das Women’s Resource Center fertig geschnitten wäre und so musste sie aufstehen. Sie konnte kaum ihre Augen offen halten. Unter enormem Kraftaufwand begab sich Rakas ins Badezimmer und spürte bereits auf dem Weg dorthin eine Schwere in ihrem gesamten Körper. Es war eine Düsterkeit, die sie an diesem Morgen trotz Sonne und blauem Himmel umgab, eine Beschwerlichkeit, die sie kurze Zeit später tief in den Metallstuhl der Bibliothek drückte und das Sitzen und Arbeiten dort unerträglich machte. Sie wollte sich bewegen, laufen, weglaufen vor all der Schwermut und Traurigkeit oder aber die Decke über den Kopf ziehen. Für beides war es hier um diese Zeit viel zu heiß. Außerdem musste Rakas weiterarbeiten. Und so blieb sie in der Bibliothek unter dem sich mühevoll drehenden Ventilator sitzen und stellte sich ihrem Innenleben. Im Laufe des Vormittags bahnte sich ihre innere Schwermut einen tränenreichen Weg in die Außenwelt und Rakas konnte langsam begreifen, was Auslöser ihrer schmerzlichen Verstimmung war. Es war die beschwerliche Last dessen, was sie zurückgelassen hatte als sie sich auf diese Reise begeben hatte. Es war die Sorgen um all die Menschen, die sie liebte und die sie aus der Ferne nur ungenügend umkümmern konnte. Sie war gezwungen, loszulassen. Je mehr sie sich mit dem Filmmaterial beschäftigte und einließ auf all die Geschichten, die die Frauen und Mädchen ihrer Aufzeichnungen stillschweigend erzählten, um so mehr gelang es ihr, ihre Gedanken zurück in jenes Land zu holen, in dem sie sich gerade aufhielt. Die Stunden vergingen und der Tag neigte sich dem Ende. Dunkelheit breitete sich langsam in der Bibliothek aus während einzig leuchtend die Benutzeroberfläche des Schnittprogramms Rakas‘ Anwesenheit bis tief in die Nacht bezeugte.

 

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